Wer hats erfunden/ designed?

Samstag, 13. August, 2011

Es ist lange her: 1994.

Da gab es erste veröffentlichte Ideen, wie denn so ein Tablet PC aussehen könnte und was sich damit wohl anstellen liesse.
Wie das Teil aussieht? Na, so etwa A4 würde ich sagen. Flach. Abgerundete Ecken.

newspaper-tablet-1994.jpg

Warum erzähle ich das?
Eine Firma namens Apple ist doch der Meinung, sie haben mit dem iPad etwas völlig neues erfunden und als sog. Geschmacksmuster schützen lassen.

Dieses Geschmackmuster von Apples “ureigene Erfindung” wird nun herangezogen, um den Verkauf von Konkurrenzprodukten zu unterbinden. Sei es Samsung oder aber auch Motorola.

Apple stellte einen Antrag auf einstweilige Verfügung, und dokumentiert, weil das Galaxy Tab 10.1 angeblich eine “sklavische” Kopie des “Kultobjekts” iPad 2 ist und fordert daraus resultierend ein Verkaufs- und Werbeverbot für das Tablet. Apple behauptet: “Anstatt selbst einen eigenen Stil zu entwickeln, haben die Antragsgegnerinnen den innovativen Stil des iPad für ihren neuen Tablet Computer kopiert.”
Apple beruft sich auf ihre Entwicklung, die im Jahr 2007 auf den Markt kam.

Was genau man sich unter dem “innovativen Stil des iPad” vorzustellen hat, legt Apple im weiteren Verlauf des Dokuments dar:

“(i) ein rechteckiges Produkt mit vier gleichmäßig abgerundeten Ecken
(ii) eine flache, klare Oberfläche, welche die Vorderseite des Produkts bedeckt
(iii) eine sichtbare Metalleinfassung um die flache, klare Oberfläche
(iv) ein Display, das unter der klaren Oberfläche zentriert ist
(v) unter der klaren Oberfläche deutliche, neutral gehaltene Begrenzungen auf allen Seiten des Displays und
(vi) wenn das Produkt eingeschaltet ist, farbige Icons innerhalb des Displays.”

Als Anhang zur Argumentation wird von Apple eine deutsche Zeitschrift herangezogen. Komisch nur, dass diese Zeitschrift nicht informiert worden ist. Hat man nicht nötig oder etwa nur vergessen?

Schlussendlich liest sich das Ganze so, als wolle ein Verlag einen anderen den Verkauf von Büchern untersagen, weil das Produkt der Konkurrenz wie das eigene aussieht: es hat einen Buchdeckel, einen Buchrücken und dazwischen viele Seiten. Alle so bedruckt, dass der Kontrast möglichst hoch ist: schwarze Schrift auf hellem Papier.

Klingt zu durchschaubar? Ein deutsches Gericht hat dem aber stattgegeben.

Wer sich weitere Designideen anschauen möchte, kann einmal nach “Braun vs. Apple” suchen.
Oder man mag sich daran erinnern, dass das MacBook Air als dünnstes Notebook gefeiert wurde, was aber an der Wahrheit “leicht vorbeigelogen” war. Steve Jobs gegenüber heise.de: “Wir sind an der dicksten Stelle dünner als die an der dünnsten”. Wie kann man denn so naiv sein zu glauben, dass Behauptungen von Niemandem in der Welt geprüft würden? Das begreife ich nicht.

Nachtrag:
Schauen wir uns mal ein Samsung Produkt von 2006 an:

2011-08-samsung-bilderrahmen-2006.jpg

Gibt es da nicht ein Apple Produkt aus dem Jahr 2007, was nicht etwa umgekehrt von Samsung - sagen wir “nur leicht” - etwas inspiriert worden sein könnte?

Auch “schön”: das Samsung F700 vom Februar 2007. Wenn man das iPhone vom Sommer 2007 danebenhält, wer könnte denn hier von wem abgeschaut haben?

Ausserdem kam auch heraus, wie mies die Agentur bei den “Beweisfotos” getrixt hat. Das Samsung Tablet wurde bewusst aus einem “geeigneten” Winkel abgelichtet. Mit einer Bildbearbeitung wurde das Konkurrenzprodukt von Samsung so gedehnt, dass es dieselben Abmessungen, wie das iPad hat. Und weil man so schön am Retuschieren war, wurde auch gleich der Samsung-Schriftzug wegretuschiert.
2011-08-samsung-vs-ipad.jpg

Das schlimme ist: das ist kein ja zufälliger Schnellschuss - sondern eine Aktion mit Kalkül .
Wie nötig muss man es haben? Was für primitive, schmierige Lügner!
Gerade die Firma zu verklagen, von denen man Designs abgeschaut hat, das kommt ja noch dazu.

Naja, für die einen, ist es die sympathischste Firme mit den besten Produkten der Welt. Ich sage: Wer so ein Arschlochverhalten an den Tag legt, dem gönnt man, dass sich das mal rächen wird.

weiterführende Links:

Bildquellen: paleofuture.com, netbooknews.de, webwereld.nl